Unser Celle – Kulinarische Geschichten aus Celle

Rohe Roulade?

Genau. Kulinarisch betrachtet noch recht jung. Und saumäßig lecker. Besser gesagt rindsmäßig …
Die Rinderroulade tauchte wohl kurz vor dem 2. Weltkrieg erstmals hier an einer Metzgertheke auf. Um 1957 entdeckte der Wirt eines Gasthofs das besondere Gericht und setzte es in seinem Haus auf die Speisekarte. Seitdem ist es in Celle kulinarischer Kult: nur hier auf den Menükarten zu finden, dennoch über die Stadtgrenzen hinaus zu einer Berühmtheit geworden. Das Gericht hat Freunde auf der ganzen Welt gefunden – unbekannte wie bekannte Genießende wie zum Beispiel ein berühmter italienischer Schauspieler.
Doch in Restaurants gibt es sie eben nur hier in Celle! Und da streiten sich die geschmacklichen Geister seit Jahrzehnten darüber, wie man sie standesgemäß zu sich nimmt: Mit gebutterten Scheiben Grau-oder Schwarzbrot oder doch lieber mit einer ordentlichen Portion Bratkartoffeln? Sei‘ s drum, sie schmeckt in jeder Variante!

Cosima Bellersen Quirini

Bier – das flüssige Brot

Als Celle noch Residenzstadt des Fürstentums Lüneburg-Braunschweig war, führte „Schmalhans“ das Regiment in den Küchen der einfachen Leute. Brot, Mehlspeisen, Getreidebreie, Eier und Milch standen damals, sofern verfügbar, auf dem Speiseplan. Wie wäre es den Menschen wohl ohne das „flüssige Brot“ ergangen?
Das Bier brauen ist eine sehr alte Kunst. Eine Ausbildung war anfänglich nicht nötig, da die alten Braumeister ihr Wissen einfach an die Brauknechte weitergaben. Gemalztes und geschrotenes Getreide wurde im warmen Wasser eingemaischt. Siedend heißes Wasser wurde hinzugefügt. Würzen und dann gären lassen. Fertig war das Grundnahrungsmittel Nummer Eins – unser Bier. Dem schwer belasteten Wasser wurden durch das Erhitzen die Keime und Bakterien entzogen. Reihum wurde auf Vorgabe der Stadtväter Anfang des 17. Jhds. durch 101 Brauer gebraut, so dass eine Grundversorgung der Stadtbevölkerung jederzeit gewährleistet war.
Bierprobeherren prüften die Qualität, bevor das „edle Nass“, das Celler Bier, zum Ausschank kam. Das gute Einbecker war den Gaumen der Herzöge und der hohen Herren vorbehalten. Um das so wichtige Handwerk des Bierbrauens zukünftig besser organisieren zu können, wurde das Braueramt gegründet. Stolz prangte das hiesige Wappen am „Braueramptshaus“.
Heute gibt es keine 101 Brauer mehr, aber die Brautradition ist in unserer Residenzstadt erhalten geblieben. Das urige Bier der damaligen Zeit machte einer „urtrüben“ Spezialität und vielen anderen traditionell gebrauten Biersorten Platz, die zu einer festen Größe in Celles Gastronomie wurden. Kommen Sie nach Celle, genießen Sie unser köstliches Bier und wandeln Sie in unserer schönen Fachwerkstadt auf den Spuren der alten Brauer.

Jürgen Matschiowalli

Heidemehl-Torte

Was für den Schwarzwald die Kirschtorte ist für die Lüneburger Heide die Buchweizen-Torte. Das Pseudo-Getreide mit kleinen Früchten, die an Bucheckern erinnern, kommt ursprünglich aus dem östlichen Afrika sowie dem Eurasischen Raum und wächst auf nährstoffarmen Böden.
Der Anbau von Buchweizen gehört schon lange in unsere Region mit den sandigen Böden. Die Bauern haben die anspruchslose Pflanze gern angebaut, die schnell wächst und in der Blühphase den Bienen Nektar gibt. Nach der Ernte Mitte September war das Buchweizen-Mehl eine nahrhafte Grundlage im einfachen Speiseplan der Heidjer. Ein Rezept für einen Kuchen wurde entwickelt: die Heidemehl-Torte. In alten Anleitungen ist lediglich von einer Füllung der beiden Böden mit Preiselbeer-Marmelade und Staubzucker obendrauf die Rede. Heute gehört auch bei hausgemachter Torte unbedingt Sahne dazu. Die Konditoreien der Stadt und der Region haben daraus eine überaus feine Torten-Kreation entwickelt, die allemal eine Sünde wert ist!

Ulrike Eggers

Kaffee-Klatsch

Bereits in der zweiten Hälfte des 17. Jhd. kannte man Kaffee auch schon im Norden Deutschlands. Dieses Luxusgut wurde zunächst nur beim Adel und dem gutsituierten Bürgertum serviert. Man schätzte die belebende Wirkung des koffeinhaltigen Getränks und zelebrierte diesen Genuss. Außerdem sprach man ihm eine heilende Wirkung bei Atemwegserkrankungen zu. Auch die übrigen Bürger wollten – wie der Adel, die VIPs der Zeit – Kaffee genießen. Da er viel zu teuer war, trank man Muckefuck (französisch mokka faux = falscher Kaffee), hergestellt aus Getreide, Bucheckern oder Eicheln als Kaffeeersatz.
Im 18. Jhd. begannen die Damen des Bürgertums, sich regelmäßig zu Kaffeekränzchen zu treffen. Der Tisch war mit dem besten Porzellan gedeckt und zum Kuchen wurde „echter Bohnenkaffee“ angeboten. Diese Sitte war so verbreitet, dass sogar in den Puppenhäusern der Bürgertöchter, die das gesellschaftliche Leben widerspiegelten, oft ein mit feinem Geschirr gedeckter Kaffeetisch zu finden war. Geht man heutzutage durch die Celler Altstadt, steigt einem an vielen Tagen das verführerische Aroma frisch gerösteten Kaffees in die Nase. Am Großen Plan wird auch heute noch Kaffee geröstet – wie schon seit Ende des 19. Jhd.

Karin Fischer

Mitglied im BVGD - Bundesverband der Gästeführer in Deutschland e. V. - www.bvgd.org