Unser Celle – Kulinarische Geschichten aus Celle

Heidemehl-Torte

Was für den Schwarzwald die Kirschtorte ist für die Lüneburger Heide die Buchweizen-Torte. Das Pseudo-Getreide mit kleinen Früchten, die an Bucheckern erinnern, kommt ursprünglich aus dem östlichen Afrika sowie dem Eurasischen Raum und wächst auf nährstoffarmen Böden.
Der Anbau von Buchweizen gehört schon lange in unsere Region mit den sandigen Böden. Die Bauern haben die anspruchslose Pflanze gern angebaut, die schnell wächst und in der Blühphase den Bienen Nektar gibt. Nach der Ernte Mitte September war das Buchweizen-Mehl eine nahrhafte Grundlage im einfachen Speiseplan der Heidjer. Ein Rezept für einen Kuchen wurde entwickelt: die Heidemehl-Torte. In alten Anleitungen ist lediglich von einer Füllung der beiden Böden mit Preiselbeer-Marmelade und Staubzucker obendrauf die Rede. Heute gehört auch bei hausgemachter Torte unbedingt Sahne dazu. Die Konditoreien der Stadt und der Region haben daraus eine überaus feine Torten-Kreation entwickelt, die allemal eine Sünde wert ist!

Ulrike Eggers

Kaffee-Klatsch

Bereits in der zweiten Hälfte des 17. Jhd. kannte man Kaffee auch schon im Norden Deutschlands. Dieses Luxusgut wurde zunächst nur beim Adel und dem gutsituierten Bürgertum serviert. Man schätzte die belebende Wirkung des koffeinhaltigen Getränks und zelebrierte diesen Genuss. Außerdem sprach man ihm eine heilende Wirkung bei Atemwegserkrankungen zu. Auch die übrigen Bürger wollten – wie der Adel, die VIPs der Zeit – Kaffee genießen. Da er viel zu teuer war, trank man Muckefuck (französisch mokka faux = falscher Kaffee), hergestellt aus Getreide, Bucheckern oder Eicheln als Kaffeeersatz.
Im 18. Jhd. begannen die Damen des Bürgertums, sich regelmäßig zu Kaffeekränzchen zu treffen. Der Tisch war mit dem besten Porzellan gedeckt und zum Kuchen wurde „echter Bohnenkaffee“ angeboten. Diese Sitte war so verbreitet, dass sogar in den Puppenhäusern der Bürgertöchter, die das gesellschaftliche Leben widerspiegelten, oft ein mit feinem Geschirr gedeckter Kaffeetisch zu finden war. Geht man heutzutage durch die Celler Altstadt, steigt einem an vielen Tagen das verführerische Aroma frisch gerösteten Kaffees in die Nase. Am Großen Plan wird auch heute noch Kaffee geröstet – wie schon seit Ende des 19. Jhd.

Karin Fischer

Mitglied im BVGD - Bundesverband der Gästeführer in Deutschland e. V. - www.bvgd.org